< Blog Home 13. März 2025
Wenn wir über Naturgärten sprechen, haben viele Menschen ein buntes Blütenmeer vor Augen, in dem Bienen um die Wette summen und Schmetterlinge von Blume zu Blume flattern. Doch stimmt dieses Bild überhaupt oder haben wir etwas Wichtiges übersehen?
Die Mehrzahl der Blütenbesucher erreichen die Blüten - für uns Menschen gut sichtbar - im Flug. Allerdings bestehen unsere heimischen Arthropodenarten* nicht nur aus blütenbesuchenden Fluginsekten, sondern überwiegend aus Tieren, die sich von anderen Pflanzenteilen, Pflanzensäften, parasitär oder räuberisch ernähren. Dazu gehören die ganzen Spinnen, Wanzen, Zikaden, Heuschrecken, Tausendfüßer, Laufkäfer, Asseln, Springschwänze und viele mehr. Diese Tiere leben zum Teil in der Wiese versteckt in der Krautschicht, in der Streuschicht oder im Boden und sind für uns meist so gut wie unsichtbar.
Titelbild ganz oben: Die Roesels Beißschrecke ernährt sich hauptsächlich von Gräsern; krautige Pflanzen und gelegentlich von kleinere Insekten. Blüten braucht sie direkt nicht.
Bild: Der Ameisensackkäfer ernährt sich von Weiden-, Eschen- und Weißdornblättern. Blüten braucht er direkt nicht.
In einer Übersichtsarbeit von Carl W. Wardhaugh** von der James Cook University / Australia ging es darum, den Anteil der Arten zu schätzen, die regelmäßig Blüten nutzen. Nach Durchsicht der Literatur und Gesprächen mit Experten geht Wardaugh davon aus, dass etwa 30 % der Arthropoden* regelmäßig Blumen nutzen, um sich zu ernähren, zu paaren oder andere Ressourcen zu erwerben. Die Zahl ist nur eine grobe Schätzung, da die Wechselwirkungen zwischen Blüten und Insekten aus der Perspektive der Pflanzen in Form der Bestäubungsbiologie gut erforscht sind, es aus Sicht der Insekten bisher jedoch kaum Erkenntnisse gibt. Zudem sind die meisten Arthropodenarten* noch kaum erforscht oder nicht bekannt.
Bild: Die Safranzirpe ernährt sich saugend von verschiedenen Süßgräsern, Blüten braucht sie direkt nicht.
Ganz klar sind gebietseinheimische Blühpflanzen ein wichtiger Bestandteil jedes Naturgartens. Sie sind jedoch nicht der einzige Aspekt. Genauso wichtig sind auch Pflanzen, die uns nicht mit ihrer betörenden Blütenpracht sofort ins Auge fallen, man denke nur an die ganzen Gräser. Wir brauchen für die Artenvielfalt schließlich nicht nur Gärten für die rund 30% Blütenbesucher, sondern sollten auch den anderen 70% unserer Arthropodenarten* unsere Aufmerksamkeit und unser Wohlwollen schenken.
* Begriffsklärung: Zu den Arthropoden zählen neben den Insekten u.a. auch Spinnentiere, Krebstiere oder Tausendfüßler. Mit etwa einer Million beschriebenen und neun Millionen geschätzten Arten sind die Arthropoden der bei weitem größte Tierstamm
** Link zur Studie: https://www.researchgate.net/publication/282351711_How_many_species_of_arthropods_visit_flowers
Bildquelle: Alle Bilder aus dem Naturgarten Langenau
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